Einmal Zimtschnecke und zurück – Kurztrip nach Göteborg

Wer sagt eigentlich, dass man im Oktober nur noch da Urlaub machen kann, wo es warm und sonnig ist? Wir finden, ein Ausflug nach Göteborg lohnt sich immer, völlig unabhängig von der Jahreszeit. Denn zu erleben gibt es immer etwas, für jeden Geschmack und jeden Geldbeutel. Vor allem, weil man so günstig und bequem dort hin kommen kann.
Diesmal begleiten uns in die Westküstenmetropole auch unsere lieben Freunde Marco, der schon ein paar Reisen nach Skandinavien gemacht hat, und Nina, die noch nie im hohen Norden unterwegs gewesen ist.
Wer mehr Informationen zum Ablauf der Reise möchte, dem empfehlen wir unseren Bericht aus dem Juni, wo wir viel Zeit auf der Schäreninsel Köpstadsö verbracht haben. Hier findet ihr mehr Infos über Fährfahrt, Ablauf und Kosten. 😉

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Nach dem entspannten Check-in in Kiel läuft das Schiff auch bald aus dem Hafen aus. Wir stehen noch einige Zeit an Deck, obwohl es jetzt im Oktober schon recht frisch ist, und der Wind bläst. Aber das stört uns wenig. Es gehört schon ein bisschen zu einer Seereise dazu, sich an Deck den Wind um die Nase wehen zu lassen, das macht es ja auch irgendwie aus. Und schließlich kann man sich anschließend wunderbar in der Kabine aufwärmen.
Das Schiff ist jetzt im Oktober dank Nebensaison angenehm leer und so beschließen wir, eine Runde durch den Bordshop zu bummeln.

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Ein paar Kostproben später und um etwas Geld leichter, lassen wir den Abend auf der Kabine mit Rotwein und Kartenspielen entspannt ausklingen.

Mitten in der Nacht, genauer gesagt etwa um 23:30h durchfährt unsere Fähre, die Stena Scandinavica, die Storebæltsbroen, die die Dänischen Inseln Fünen und Seeland miteinander verbindet. An Deck herrscht ordentlich Sturm, sodass wir uns vorkommen, wie zwei außer Kontrolle geratene Windspiele. Doch es lohnt sich schon, mal mit zu erleben, wie das große Schiff still und leise durch den Wind und unter der beleuchteten Brücke hindurch fährt, ringsum nichts als die pechschwarze nächtliche Ostsee.

Am nächsten Morgen zieht es uns erneut an Deck in den Wind. Die Fahrt durch die Schären bis zum Anleger in Göteborg ist so faszinierend, dass Nina und Marco sogar draußen ihr Frühstück essen, um keinen Moment zu verpassen.

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Kurze Zeit später liegt das Schiff am Kai und wir machen uns auf den Weg zur Straßenbahnhaltestelle Chapmans Torg, die nur wenige Minuten zu Fuß von der Fähre entfernt liegt. Direkt neben der Haltestelle kaufen wir uns noch einen Kaffee bei einem Kiosk, dann fahren wir Richtung Saltholmen. Denn unser erstes Erlebnis soll heute wieder eine Schäre sein. Brännö haben wir uns diesmal herausgesucht, eine größere Insel mit sehr regelmäßiger Anbindung ans Festland.

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Nach gut einer halben Stunde Fahrt erreichen wir den Hafen Saltholmen, wo wir auf das Boot Vesta, das uns nach Brännö bringen soll. Es kämpft sich durch die Wellen, vorbei an kahlen Felsen, Seefahrtszeichen, Fischerhütten und schicken Villen. Einige Inseln sind bebaut, rote Holzhäuser leuchten mit gelben Laubbäumen um die Wette. Andere sind nur von Gräsern bewachsen, Schafe halten die Vegetation flach und man fühlt sich wie in eine andere Welt versetzt.

DSC03192.JPGBis Brännö ist es nicht weit. Wir haben eineinhalb Stunden, um die Insel zu erkunden, zu Fuß natürlich. Zwar fahren auf Brännö im Gegensatz zu anderen Inseln hin und wieder ein paar Transporter von Baustelle zu Baustelle, aber wirklich motorisiert ist die Insel nicht. Dafür sehen wir bereits am Hafen, dass vor allem im Sommer hier sicher gut die Zeit zu verbringen ist. Es gibt ein kleines Sommertheater, Wander- und Bademöglichkeiten, ein Heimatmuseum und noch jede Menge anderer kultureller Highlights, die sehr sehenswert sind.

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Aber hier sieht man auch einen kleinen Nachteil der ruhigen Nebensaison: Das Angebot ist eben deutlich geringer, als im Sommer. Das stört uns aber wenig, da wir ohnehin nur kurz die Insel erkunden und dann wieder in die Stadt fahren wollen.

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Wir folgen der Karte und den Wegweisern zum Aussichtspunkt der Insel. Durch die Ortschaft geht es dabei nur kurz, schon bald läuft man durch die Natur auf die Felsen. Schon von weitem sieht man das kleine alte Haus der Telegraphenstation, das auf dem Berg von Brännö thront.

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Winzig klein, behauptet es sich da oben doch ganz gut in starkem Schwedenrot. Wir verbringen einige Zeit auf dem kleinen Berg um das Häuschen, erkunden die Umgebung. Hier wachsen Blaubeeren, Wacholder, Birken, Eschen und sogar Krähenbeeren. Ja, Krähenbeeren. Mutig probieren alle eine der fremdartigen Beeren. Eine Mischung aus Kirsche, nussig und auch ein Haus von Aprikose. Und wenn man jetzt im Herbst eine Angegorene erwischt, hat es auch etwas exotisches…

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So ein Glögg wäre jetzt was, zum aufwärmen. Aber der wird später probiert! 😉

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Nach der tollen Aussicht und dem echt schwedischen Naturerlebnis bekommen wir langsam Hunger und wir fahren zurück in die Stadt.Wir genießen ein köstliches Dagens Lunch (Mittagstisch) im Restaurant Bryggeriet, sitzen am Kamin und wärmen uns zufrieden auf.
Zwei Kaffee später machen wir uns wieder auf den Weg, denn in Göteborg gibt es noch so viel zu entdecken. Zuerst zieht es uns jetzt zu einem besonders süßen Laden – im wahrsten Sinne des Wortes. 4-Gott behauptet von sich, die größte Süßigkeitenauswahl der Stadt zu haben. Überprüft haben wir das nicht, aber angesichts dieser Mengen glauben wir es einfach.

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Zwar gibt es die schwedischen losen Süßigkeiten, die Lösgodis, woanders günstiger zu kaufen, aber die Auswahl ist schon besonders. Ein kleiner Einkauf, besonders wenn man spezielle Dinge sucht, oder einfach mal herumprobieren will, lohnt sich auf jeden Fall.

Direkt gegenüber befindet sich Nordstans, ein riesiges Einkaufszentrum. Wir schlendern kurz hindurch, aber machen uns recht bald auf den Weg nach Haga. In der historischen Altstadt Göteborgs gehen die Uhren irgendwie noch anders. Etliche klitzekleine Läden bieten Antiquitäten, Geschenkartikel, schwedisches Design und noch vieles, vieles mehr an.

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Doch eine Sache sollte man sich aus Haga unbedingt mitnehmen: Eine stattliche Hagabulle. Das ist eigentlich nur eine Zimtschnecke im Wagenrad-Format. Aber unendlich lecker. Wir holen sie uns klassischerweise im Café Husaren, wo man für 50 Kronen die angeblich einzig originalen Hagabullar bekommt.

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Es macht durchaus Sinn, sich eine zu zweit zu teilen, oder man macht es eben wie die Einheimischen, die hier stets von sich behaupten können, aus Diätgründen nur eine einzige Zimtschnecke gegessen zu haben…

Als hätten wir es vorher geahnt, ist unser nächstes Ziel die Skansen Kronan, ein Hügel mitten in Haga, auf dem eine alte Festungsanlage weit über die Dächer der Stadt ragt. Um dort hin zu gelangen, müssen wir allerdings gefühlte 500 Treppenstufen erklimmen…

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So trainiert man die Zimtschnecke auch wieder ab. Doch der Aufstieg lohnt sich wirklich. In dem historischen Gebäude gibt es Führungen für Touristen, und für alle, die das nicht möchten, oder außerhalb der Öffnungszeiten kommen, beschert der exponierte Hügel über der Stadt eine wunderbare Aussicht über Göteborg und seine Wahrzeichen, wie den Läppstift am alten Stadthafen Lilla Bommen, den Vergnügungspark Liseberg, oder einfach die vielen klitzekleinen roten Dächer von Haga.

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Überhäuft mit neuen, schönen Erlebnissen, kehren wir abends auf unser Schiff zurück. Wir hätten noch so viel erleben wollen. Während wir unter der Neuen Älvsborgsbrücke hindurch fahren, verabschieden wir uns an Deck im Wind von der Westküstenmetropole, die wir sicher bald wieder sehen werden, mit ihrem maritimen Flair, dem ruhigen Puls und den riesigen Zimtschnecken.

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