Schwedische Schärenidylle und Großstadtflair – an einem Tag

Göteborg, Göteborg. Ein einziger Tag ist viel zu wenig, um Schwedens zweitgrößte Stadt wirklich kennen zu lernen. Aber es ist trotzdem eine tolle Möglichkeit, mal kurz dem Alltag zu entkommen und – wenn auch nur für einen Tag – schwedische Luft zu schnuppern.
Mit der Stena Line kommt man von Kiel blitzschnell, günstig und super bequem über Nacht nach Göteborg. Wir haben diese Fahrt schon etliche Male gemacht, und sind immer noch begeistert. Denn jedes Mal entdecken wir in der Metropole Neues und genießen bereits Bekanntes.

Wir packen einen Picknickkorb mit allem, was lecker ist und machen uns vormittags gemütlich auf nach Kiel. Dazu ein Rucksack pro Person – das ist alles, was wir an Gepäck benötigen. Bei sommerlich warmen Temperaturen und strahlend blauem Himmel spazieren wir in Richtung Wasser zum Schwedenkai. Wir checken kurz nach 17Uhr ein und kaufen für je 9€ noch eine Tageskarte für die öffentlichen Verkehrsmittel in Göteborg, die nicht nur für Straßenbahnen und Busse, sondern auch für sämtliche Stadtfähren gültig ist. Und das werden wir wohl brauchen!

Unser Plan ist, diesmal den südlichen Schärengarten von Göteborg etwas zu erkunden und außerdem natürlich auch ein bisschen durch die Innenstadt zu bummeln. Eher per Zufall haben wir uns eine der kleineren Inseln, Köpstadsö, ausgesucht. Die Abfahrtszeiten der Bahnen und Boote haben wir uns vorher online herausgesucht (www.vasttrafik.se, schwedisch oder englisch), aber man bekommt auch nützliche Informationen am Check-in Schalter in Kiel.

Wir haben eine Innenkabine auf der Stena Scandinavica, es lässt sich prima aushalten. Auf der Kabine ist ein Fernseher, ein Doppelstockbett und natürlich ein Bad mit Dusche. Auf dem Sonnendeck ist die Bar geöffnet, die Menschen genießen die Sonne und den Seewind. Etwas später am Abend bummeln wir noch durch den Bordshop, in dem man neben jeder Menge Süßigkeiten und allerlei alkoholischer Getränke auch Spielsachen, Drogerieartikel, Souvenirs und einiges mehr erwerben kann. Zufrieden fallen wir ins Bett und freuen uns auf den Tag in Göteborg.

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Nach einem leckeren Frühstück stehen wir bei der Einfahrt in den Göteborger Hafen an Deck. Es geht eine ganze Weile an den Schären entlang, der frische Wind pustet uns noch mal ordentlich wach und der blaue Himmel verspricht auch heute wieder bestes Wetter.
Kurz nach 9 liegt die Scandinavica im Hafen und wir gehen die wenigen Meter zur Haltestelle Chapmans Torg und nehmen die Straßenbahn nach Saltholmen.
Es dauert keine 20 Minuten, bis wir da sind. Da es bis zur Abfahrt unseres Bootes noch etwas dauert, setzen wir uns in Saltholmen an den Kai und genießen noch etwas die Sonne. Überall werden jetzt frische, schwedische Erdbeeren an Verkaufsständen an der Straße angeboten. Die Verlockung ist ungeheuer, aber da kommt auch schon die Schnellfähre nach Köpstadsö.

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Dort angekommen landen wir erst mal in einer Baustelle. Offenbar wird zur Zeit die Hafenanlage umgebaut und verschönert. Was auf den ersten Blick etwas Entsetzen hervorruft, ist 20 Meter weiter schon wieder vergessen. Von einer kleinen Anhöhe aus haben wir einen atemberaubenden Blick über die Schären und das Wasser, auf dem sich unsere Fähre gerade wie in Zeitlupe von uns entfernt.

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Was uns sofort auffällt, als wir einige Meter weiter gegangen sind, sind die Massen von Schubkarren, die am Hafen in Reih und Glied nebeneinander stehen und mit Namen auf der Unterseite den Besitzer verraten.

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Köpstadsö ist nicht nur autofrei, sondern gänzlich frei von motorisierten Fahrzeugen. Alles, aber auch wirklich alles wird hier mit der Schubkarre transportiert. Viel wird das allerdings kaum sein, außer ein paar Blumen für die wunderschön gestalteten Vorgärten im Frühjahr, denn was braucht man schon groß bei so einem Ausblick?

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Auf einer Karte am Hafen haben wir gesehen, dass wir einen kleinen Rundweg um die Insel gehen können und machen uns auf den Weg. Es geht erst quer durch den Ort, dann an einem kleineren Hafen entlang, über Wiesen und schließlich auf die blanken, kargen Felsen, die so typisch für die Schären sind. Kleine, krüppelige Kiefern, Sträucher, Heide und sogar Wollgras bewachsen die Felsen.

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Die Aussicht ist überwältigend. Wir gehen den Weg weiter und kommen irgendwann über eine steile Felstreppe zu einem sumpfigen Wäldchen. Als uns dort die Mücken überfallen, treten wir fluchtartig den Rückweg an, und entschließen uns kurzfristig, uns an den Strand zu setzen und ein bisschen die Beine ins Wasser zu hängen.

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In diesem ruhigen Moment, in dem wir nur das Wellenrauschen, den Wind und die Seevögel hören und uns die Sonne wärmt, sind wir uns sicher, dass man hier viel mehr als nur einen Tag bräuchte. Aber unsere Fähre in Richtung Stadt wartet nicht und so brechen wir auf, um an der Avenyn, einer großen Flaniermeile in Göteborg, ein gutes Mittagessen zu bekommen.
Das klingt teuer? Ist es aber nicht! In Schweden haben fast alle Restaurants einen Mittagstisch, „Dagens Lunch“ auf Schwedisch. In der Zeit von meistens 11:30-14:30Uhr bekommt man eines von mehreren zur Auswahl stehenden Tagesgerichten, dazu Salat, Brot, ein Getränk und oft auch noch Kaffee und Kleingebäck für wenig Geld.

Unser Lieblingsrestaurant in Göteborg ist „Bryggeriet“. Das Tagesgericht kostet 89SEK, umgerechnet etwa 9,30€. Ich liebe die Fischgerichte, Basti probiert immer etwas anderes. Dorschfilet mit Krabbensoße und Dillkartoffeln oder gebratene Scholle mit Skagenröra… Es schmeckt einfach immer sooo lecker.

Nicht weit von der Avenyn befindet sich auch die Innenstadt, in der man hervorragend shoppen gehen kann. Wer die Füße schonen will, kann aber auch kurz mit der Straßenbahn hin fahren.
Es ist viel los in der Stadt, diese Woche findet das Pride Festival statt, die Göteborg Green World 2016 ziert die ganze Stadt mit bunten Beeten und die Abiturienten feiern auf großen Partywägen ihren Abschluss und fahren mit Musik durch die Straßen. Die Stadt ist unheimlich lebendig und gleichzeitig nicht aufdringlich. Das Sommerliche Leben, die Nähe zur Natur, die kunterbunte Vielfalt der Stadt… Das hinterlässt wieder einen bleibenden Eindruck. Bei der Ausfahrt aus dem Göteborger Hafen verabschieden wir uns von der Metropole an der Westküste und mit einem tollen Sonnenuntergang auf hoher See bietet sich uns ein perfekter Abschluss für den Kurztrip nach Schweden. Göteborg, wir kommen wieder! 🙂 Vi ses! DSC00821.JPG

von Theresa

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2 Kommentare zu „Schwedische Schärenidylle und Großstadtflair – an einem Tag

  1. Hej, Göteborg ist schon schön ❤ War das letzte Mal vor 10 Jahren da, das sollten wir nochmal ändern. Wobei es mich ja oft mehr in den hohen Norden, nach Lappland, zieht. Viel Spaß in Småland!

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