Einmal Zimtschnecke und zurück – Kurztrip nach Göteborg

Wer sagt eigentlich, dass man im Oktober nur noch da Urlaub machen kann, wo es warm und sonnig ist? Wir finden, ein Ausflug nach Göteborg lohnt sich immer, völlig unabhängig von der Jahreszeit. Denn zu erleben gibt es immer etwas, für jeden Geschmack und jeden Geldbeutel. Vor allem, weil man so günstig und bequem dort hin kommen kann.
Diesmal begleiten uns in die Westküstenmetropole auch unsere lieben Freunde Marco, der schon ein paar Reisen nach Skandinavien gemacht hat, und Nina, die noch nie im hohen Norden unterwegs gewesen ist.
Wer mehr Informationen zum Ablauf der Reise möchte, dem empfehlen wir unseren Bericht aus dem Juni, wo wir viel Zeit auf der Schäreninsel Köpstadsö verbracht haben. Hier findet ihr mehr Infos über Fährfahrt, Ablauf und Kosten. 😉

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Nach dem entspannten Check-in in Kiel läuft das Schiff auch bald aus dem Hafen aus. Wir stehen noch einige Zeit an Deck, obwohl es jetzt im Oktober schon recht frisch ist, und der Wind bläst. Aber das stört uns wenig. Es gehört schon ein bisschen zu einer Seereise dazu, sich an Deck den Wind um die Nase wehen zu lassen, das macht es ja auch irgendwie aus. Und schließlich kann man sich anschließend wunderbar in der Kabine aufwärmen.
Das Schiff ist jetzt im Oktober dank Nebensaison angenehm leer und so beschließen wir, eine Runde durch den Bordshop zu bummeln.

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Ein paar Kostproben später und um etwas Geld leichter, lassen wir den Abend auf der Kabine mit Rotwein und Kartenspielen entspannt ausklingen.

Mitten in der Nacht, genauer gesagt etwa um 23:30h durchfährt unsere Fähre, die Stena Scandinavica, die Storebæltsbroen, die die Dänischen Inseln Fünen und Seeland miteinander verbindet. An Deck herrscht ordentlich Sturm, sodass wir uns vorkommen, wie zwei außer Kontrolle geratene Windspiele. Doch es lohnt sich schon, mal mit zu erleben, wie das große Schiff still und leise durch den Wind und unter der beleuchteten Brücke hindurch fährt, ringsum nichts als die pechschwarze nächtliche Ostsee.

Am nächsten Morgen zieht es uns erneut an Deck in den Wind. Die Fahrt durch die Schären bis zum Anleger in Göteborg ist so faszinierend, dass Nina und Marco sogar draußen ihr Frühstück essen, um keinen Moment zu verpassen.

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Kurze Zeit später liegt das Schiff am Kai und wir machen uns auf den Weg zur Straßenbahnhaltestelle Chapmans Torg, die nur wenige Minuten zu Fuß von der Fähre entfernt liegt. Direkt neben der Haltestelle kaufen wir uns noch einen Kaffee bei einem Kiosk, dann fahren wir Richtung Saltholmen. Denn unser erstes Erlebnis soll heute wieder eine Schäre sein. Brännö haben wir uns diesmal herausgesucht, eine größere Insel mit sehr regelmäßiger Anbindung ans Festland.

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Nach gut einer halben Stunde Fahrt erreichen wir den Hafen Saltholmen, wo wir auf das Boot Vesta, das uns nach Brännö bringen soll. Es kämpft sich durch die Wellen, vorbei an kahlen Felsen, Seefahrtszeichen, Fischerhütten und schicken Villen. Einige Inseln sind bebaut, rote Holzhäuser leuchten mit gelben Laubbäumen um die Wette. Andere sind nur von Gräsern bewachsen, Schafe halten die Vegetation flach und man fühlt sich wie in eine andere Welt versetzt.

DSC03192.JPGBis Brännö ist es nicht weit. Wir haben eineinhalb Stunden, um die Insel zu erkunden, zu Fuß natürlich. Zwar fahren auf Brännö im Gegensatz zu anderen Inseln hin und wieder ein paar Transporter von Baustelle zu Baustelle, aber wirklich motorisiert ist die Insel nicht. Dafür sehen wir bereits am Hafen, dass vor allem im Sommer hier sicher gut die Zeit zu verbringen ist. Es gibt ein kleines Sommertheater, Wander- und Bademöglichkeiten, ein Heimatmuseum und noch jede Menge anderer kultureller Highlights, die sehr sehenswert sind.

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Aber hier sieht man auch einen kleinen Nachteil der ruhigen Nebensaison: Das Angebot ist eben deutlich geringer, als im Sommer. Das stört uns aber wenig, da wir ohnehin nur kurz die Insel erkunden und dann wieder in die Stadt fahren wollen.

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Wir folgen der Karte und den Wegweisern zum Aussichtspunkt der Insel. Durch die Ortschaft geht es dabei nur kurz, schon bald läuft man durch die Natur auf die Felsen. Schon von weitem sieht man das kleine alte Haus der Telegraphenstation, das auf dem Berg von Brännö thront.

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Winzig klein, behauptet es sich da oben doch ganz gut in starkem Schwedenrot. Wir verbringen einige Zeit auf dem kleinen Berg um das Häuschen, erkunden die Umgebung. Hier wachsen Blaubeeren, Wacholder, Birken, Eschen und sogar Krähenbeeren. Ja, Krähenbeeren. Mutig probieren alle eine der fremdartigen Beeren. Eine Mischung aus Kirsche, nussig und auch ein Haus von Aprikose. Und wenn man jetzt im Herbst eine Angegorene erwischt, hat es auch etwas exotisches…

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So ein Glögg wäre jetzt was, zum aufwärmen. Aber der wird später probiert! 😉

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Nach der tollen Aussicht und dem echt schwedischen Naturerlebnis bekommen wir langsam Hunger und wir fahren zurück in die Stadt.Wir genießen ein köstliches Dagens Lunch (Mittagstisch) im Restaurant Bryggeriet, sitzen am Kamin und wärmen uns zufrieden auf.
Zwei Kaffee später machen wir uns wieder auf den Weg, denn in Göteborg gibt es noch so viel zu entdecken. Zuerst zieht es uns jetzt zu einem besonders süßen Laden – im wahrsten Sinne des Wortes. 4-Gott behauptet von sich, die größte Süßigkeitenauswahl der Stadt zu haben. Überprüft haben wir das nicht, aber angesichts dieser Mengen glauben wir es einfach.

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Zwar gibt es die schwedischen losen Süßigkeiten, die Lösgodis, woanders günstiger zu kaufen, aber die Auswahl ist schon besonders. Ein kleiner Einkauf, besonders wenn man spezielle Dinge sucht, oder einfach mal herumprobieren will, lohnt sich auf jeden Fall.

Direkt gegenüber befindet sich Nordstans, ein riesiges Einkaufszentrum. Wir schlendern kurz hindurch, aber machen uns recht bald auf den Weg nach Haga. In der historischen Altstadt Göteborgs gehen die Uhren irgendwie noch anders. Etliche klitzekleine Läden bieten Antiquitäten, Geschenkartikel, schwedisches Design und noch vieles, vieles mehr an.

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Doch eine Sache sollte man sich aus Haga unbedingt mitnehmen: Eine stattliche Hagabulle. Das ist eigentlich nur eine Zimtschnecke im Wagenrad-Format. Aber unendlich lecker. Wir holen sie uns klassischerweise im Café Husaren, wo man für 50 Kronen die angeblich einzig originalen Hagabullar bekommt.

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Es macht durchaus Sinn, sich eine zu zweit zu teilen, oder man macht es eben wie die Einheimischen, die hier stets von sich behaupten können, aus Diätgründen nur eine einzige Zimtschnecke gegessen zu haben…

Als hätten wir es vorher geahnt, ist unser nächstes Ziel die Skansen Kronan, ein Hügel mitten in Haga, auf dem eine alte Festungsanlage weit über die Dächer der Stadt ragt. Um dort hin zu gelangen, müssen wir allerdings gefühlte 500 Treppenstufen erklimmen…

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So trainiert man die Zimtschnecke auch wieder ab. Doch der Aufstieg lohnt sich wirklich. In dem historischen Gebäude gibt es Führungen für Touristen, und für alle, die das nicht möchten, oder außerhalb der Öffnungszeiten kommen, beschert der exponierte Hügel über der Stadt eine wunderbare Aussicht über Göteborg und seine Wahrzeichen, wie den Läppstift am alten Stadthafen Lilla Bommen, den Vergnügungspark Liseberg, oder einfach die vielen klitzekleinen roten Dächer von Haga.

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Überhäuft mit neuen, schönen Erlebnissen, kehren wir abends auf unser Schiff zurück. Wir hätten noch so viel erleben wollen. Während wir unter der Neuen Älvsborgsbrücke hindurch fahren, verabschieden wir uns an Deck im Wind von der Westküstenmetropole, die wir sicher bald wieder sehen werden, mit ihrem maritimen Flair, dem ruhigen Puls und den riesigen Zimtschnecken.

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Unser Roadtrip – Fazit und unsere persönlichen Tipps

Nun sind wir schon eine Woche wieder zuhause und es ist Zeit für ein Fazit zu unserem Roadtrip durch Südschweden.

Was waren nun unsere Highlights, was können wir nicht weiterempfehlen? Welche Tipps haben wir für euch? Hier erfahrt ihr es nun. 🙂

Camping, Stuga oder Hotel? 

Wir haben ja einiges ausprobiert, zelten auf kleineren oder größeren Zeltplätzen, nach dem Allemannsrätt einfach in der Natur, Unterkünfte auf Fähren, im Hotel und in der Stuga. Aber welche Variante ist nun am ehesten zu empfehlen?
Eigentlich kommt es ganz darauf an, wie man seinen Urlaub gestalten will, was man sehen und erleben will und wie spontan man ist.
Die Rundreise mit Auto und Zelt ist ein tolles Abenteuer, man ist flexibel, unabhängig und natürlich besonders preiswert unterwegs, denn sofern man nicht hin und wieder einen kostenpflichtigen Zeltplatz aufsucht, zahlt man nur für Sprit und eben das, was man ohnehin den Tag über tut und braucht. Das Allemannsrätt ist eine tolle Möglichkeit, die man in Skandinavien hat, allerdings sollte es nicht missbraucht werden. Es gibt Regeln, an die man sich auf jeden Fall halten sollte, denn das Meiste funktioniert eben auch über Vertrauen.

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Außerdem sollte man sich auf so eine Rundreise ausreichend vorbereiten. Wir haben uns schon vor der Fahrt mögliche Zeltstellen im Internet bei Google Maps herausgesucht, was in Schweden wunderbar funktioniert, denn viele Straßen wurden mit der Kamera abgefahren. Wenn man weiß, welche Route man in etwa fahren will, dann funktioniert das eigentlich ganz gut. Ansonsten muss man eben spontan sein und etwas suchen. Außerdem extrem wichtig ist Ordnung im Auto. Es gibt nichts schlimmeres, als abends im Regen hungrig den Kofferraum durchwühlen zu müssen auf der Suche nach einem Löffel, Salz oder auch nur der Wäsche für den nächsten Tag. Man muss sich eben schon gut vorbereiten, was auch etwas Übung braucht – oder zumindest gute Tipps 😉
Wenn man sich aber gut vorbereitet hat, dann muss im besten Falle nur noch das Wetter mitspielen – und schon steht der Abenteuerreise mit Lagerfeuer am See, Outdoorerlebnissen und der völligen Freiheit nichts mehr im Wege.

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Hotels und andere Unterkünfte buchen wir nur sehr sehr selten in Schweden. Denn im Vergleich zu einer Stuga ist das Preis-Leistungs-Verhältnis eigentlich immer schlecht. Wenn man aber einen Städtetrip nach Stockholm oder Göteborg machen will, lohnt es sich, früh zu buchen und auch Partnerangebote (Stena Line bietet 20% bei gleichzeitiger Buchung von Fähre und Hotel, IKEA Family hat Kooperationsangebote…) oder tatsächlich auch Vergleichsseiten zu beachten. Außerdem kann man auch weniger frequentierte Seiten wie zum Beispiel die Internetseite von Visit Sweden ausprobieren – auch hier gibt es gute Angebote, die man woanders oft gar nicht findet.

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Die entspannteste Variante, Schweden zu erleben, ist die Stuga. Auch hier gilt: Möglichst früh buchen, dann ist das Angebot und demnach auch die Preise noch am besten. Eine Stuga kann man bei endlos vielen Anbietern mieten. Oft sind die Preise wirklich sehr günstig, wer früh genug bucht, zahlt meistens um die 100€ pro Person und Woche in der Vor- oder Hauptsaison. Unser Tipp: Weg von der Hauptsaison! Wer unabhängig von Schulferien ist, sollte das ausnutzen. Leere Strände, entspannte Innenstädte mit ausreichend Parkplätzen, kaum Schlangen bei Attraktionen und die schönste Natur noch dazu.

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Und NEIN, das Wetter in Schweden ist nicht nur im Juli gut. Auch im Oktober scheint durchaus die Sonne und es sind keine -20° im Mai. Die Nebensaison lohnt sich, denn gerade in Südschweden unterscheiden sich die Jahreszeiten, die Tageslänge und die Temperaturen kaum von denen in Deutschland, vor allem nicht Norddeutschland. Den Schrecken des dunklen, kalten Nordens hat Schweden nicht wirklich zurecht inne.
Und wenn draußen das bunte Laub in der Sonne leuchtet, Pilze im Wald wachsen und es abends langsam kalt wird – dann macht man in der Stuga eben den Kamin an, oder geht in die Sauna am Haus. Ist doch auch super, oder? Deshalb: Fahrt doch mal im September oder Oktober, Februar, im Mai oder Anfang Juni.

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Fähre, Brücke, oder Beides??

Je nach dem, von wo aus man in Deutschland startet, kann sich verschiedenes lohnen. Die Brücken sind preislich unabhängig von Saisonzeiten und natürlich auch ohne feste Abfahrtszeiten. Ansonsten gibt es eine Vielzahl von Fährverbindungen unterschiedlicher Unternehmen, die einen besonders entspannten und oft auch besonders günstigen Start in den Urlaub bieten. Wieder mal das Motto: Früh buchen kann sich lohnen. Muss aber nicht zwangsläufig, denn oft gibt es Angebote, die auch kurzfristig zu buchen sind. Am besten Vergleichen oder beim Reisebüro erkundigen!

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Wer gerne mit dem Schiff fährt, der wird auf einer Fähre jedenfalls schon sehr glücklich die Reise beginnen, wenn man an Deck steht, Deutschland „Tschüss“ sagt und das schwedische Festland (oder auch eine Insel…) langsam näher kommen sieht.

Unsere Highlights und Flops

Unsere persönlichen Highlights waren definitiv vor allem die Naturerlebnisse. Die Wanderung durch die Skurugata zum Skuruhatt war ein unvergessliches Erlebnis, das Store Mosse ist immer toll und bietet mit vielen verschiedenen Wanderwegen auch viel Abwechselung, Lagerfeuer am See und Pilze suchen ist sowieso einfach toll.
Ansonsten war Stockholm natürlich ein Highlight und noch dazu eines, von dem man nie genug bekommen kann. Und wer Sandstrände und das Meer mag, der wird, so wie wir, in Halland und Skåne bei Smugehuk, Laholm oder Falsterbo ein kleines Paradies finden.

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Nicht so begeistert waren wir dagegen von einigen „Outlets“ wie das in Kosta oder Höganäs und leider auch vom Fabrikverkauf in Klippan. Wir finden, ein Ausflug lohnt sich da nicht wirklich, wenn es mal auf dem Weg liegt, kann man aber mal vorbei schauen. Ansonsten sind diese Einkaufstempel nur überlaufen von hauptsächlich deutschen und oft mauligen Touristen, die Preise sind nicht wirklich günstig und selbst einen Regentag kann man eigentlich besser füllen.

Absolute Empfehlung: Store Mosse, Lagerfeuer am See und Outdoor-Kochen (auch in der Stuga mal ein Erlebnis), Schloss Läckö, Stockholm, die vielen Badestellen überall

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Eingeschränkte Empfehlung: Skurugata (wirklich anspruchsvoller Weg durch die Schlucht, verlangt körperliche Fitness und gutes Schuhwerk, Skuruhatt dagegen ist leicht zu erreichen), Gekås (eben ein Shoppingparadies, nicht alles ist günstig, aber ein Erlebnis ist es allemal)

Nicht zu empfehlen: Teure Outlets, die meisten auf deutsche Touristen zugeschnittenen Dinge (typisch schwedisches ist deutlich schöner und liebevoller gemacht, oft auch günsitger)

Money, Money, Money…

Jetzt mal Butter bei die Fische! Das haben wir bezahlt.

3050km Benzin, Verbrauch von durchschnittl. 5,6l/100km (dank Tempolimit in Schweden)
x 1,30€/Liter = 222,04€
Zeltplätze: 150 Sek in Stenungsund, 100 Sek in Glumslöv (Gratis: Gisslevik und Torhamn)
x Kurs 1€ = 9,47 Sek = 26,39€
Übernachtung in Stockholm: 68,87€
Fährfahrt Rostock-Trelleborg-Rostock: 119€
Minikreuzfahrt Viking Line: 36€ + 22€ Frühstück = 58€
Eintrittsgelder: 40 Sek p. Pers. = 8,44€ 2 Pers. (Gratis Eintritte für unter 26-Jährige)
Parkgebühren: 140 Sek in Innenstädten und bei Sehenswürdigkeiten, 240 Sek in Stockholm (3 Tage) = gesamt 40,12€

Dazu kommen Lebensmittel und Souvenirs nach Bedarf. Vieles kaufen wir schon in Deutschland ein, vor allem natürlich Wein, Bier etc. Auch frisches Obst und Gemüse ist in Deutschland meistens (aber nicht immer) günstiger. In Deutschland haben wir für 60€ eingekauft, in Schweden etwa nochmal so viel (für Lebensmittel).

Also, Gesamtpreis für 2 Personen inkl. Ausflügen und Essen: ca. 663€. Dazu kommen die vielen tollen Gratis-Angebote und die Erlebnisse, die einfach unbezahlbar sind. Nicht schlecht für 19 Tage, oder?

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Und noch ein paar Tipps

  1. Essen gehen: Fast jedes Restaurant in Schweden bietet einen sehr günstigen und meist super leckeren Mittagstisch (dagens lunch) an. Oft kann man aus verschiedenen Gerichten wie Pasta, Fisch, Fleisch und einer vegetarischen Alternative wählen und zahlt inklusive Getränk, Salat, Kaffee und manchmal auch noch Gebäck im Regelfall 80-100Sek. Wer abends essen gehen will, sollte sich das dagegen zweimal überlegen. Dann kann ein einfaches Gericht schonmal 300-400 Sek kosten, plus teuren Getränken. Also: Besser mittags essen gehen!
  2. Vorher informieren: Öffnungszeiten, Preise, Angebote… Vieles findet man schon vorher im Internet, auch Informationen, was man alles in der Region machen kann, in der man sein wird. Vor allem kostenlose Kulturangebote und Stadtfeste mit Konzerten lohnen sich sehr. Also: Einfach mal im Internet die Region erkunden!
  3. Gelassen bleiben: Das nervigste, was uns außer betrunkenen Asiaten und Russen begegnet ist, sind DEUTSCHE TOURISTEN. Dauermotzende und unzufriedene Deutsche, die durch die Läden, Städte, ja sogar durch die Natur wandeln und es einfach nicht übers Herz bringen, es einfach mal gut zu finden, sondern die ganze Zeit vor sich her schimpfen – das muss doch nicht sein! Dabei wird wirklich über alles geschimpft, was einem so vor die Nase kommt – Das Haus, das Boot, der Vermieter, das Wetter, die Preise, das „ich hatte mir das hier wirklich anders vorgestellt“ und überhaupt. Ehrlich: Wer ins Ausland reist, sollte nicht erwarten, dass alles so ist, wie zuhause, oder?
    Und wer mies gelaunt kaum ein Wort Englisch herausbekommt, sich benimmt, als wäre man der King, und sich dann auch noch über alles beschwert, ist auch irgendwann kein gern gesehener Gast mehr. Also: Bleibt gelassen. Genießt doch mal, dass Schweden nicht Deutschland ist. 😉

    Schweden ist so vielfältig, dass auf jeden Fall jeder einen schönen Urlaub hier verbringen kann. Man sollte sich einfach nur mal darauf einlassen. Und zur Not setzt man sich mit Rotwein, Tee oder Bier auf die stets vorhandene Terrasse des Ferienhauses und genießt einfach mal die Ruhe.

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    Und wer jetzt neugierig auf den Hintergrund einiger Bilder dieses Artikels geworden ist: Schreibt uns einen Kommentar auf Facebook oder hier und sagt uns, worüber wir euch als nächstes berichten sollen! 😉

Tag 19: Die Heimfahrt

Nach einer etwas anstrengenden Nacht, da eine Reisegruppe aus Uruguay, die sehr spät am Campingplatz angekommen war, bis spät in die Nacht gefeiert hatte, frühstücken wir in Malmö bei IKEA. Die Zeit vergeht heute so schnell, und nach einigen kleinen Abschlusseinkäufen geht es für uns auch schon auf die Fähre der TT-Line.

Die Fahrt dauert sechseinhalb Stunden. Wir sitzen, erinnern uns an die schöne Zeit, an alle Erlebnisse…

An Kivik gleich zu Beginn, an die abenteuerliche Wanderung durch die Skurugata, den wunderschönen Abend in Hästholmen am Vätternsee, Stockholm, Helsinki und die vielen besonderen Eindrücke der Reise. Die endlosen Blaubeermassen im Store Mosse, das Lagerfeuer in Närke, die Ruhe in der Stuga. Wir haben wirklich viel erlebt!

Von Rostock aus fahren wir dann nur noch eine Stunde bis nach Hause. Als wir ankommen, sind wir ganze 3053km gefahren.

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Freut euch auf unseren Abschlussbericht, den wir in der kommenden Woche ausarbeiten! Da werden wir euch noch einmal alle unsere Highlights sowie die Kosten und ein paar Tricks verraten, die sicher nützlich sein können 🙂

Tag 18: Strände, Klippen und Design im Süden

Früh am Morgen brechen wir auf in Richtung Süden. Durch Småland und Halland, durch Wälder im Sonnenschein, fahren wir heute immer in Richtung Meer.Unsere erste Station ist heute Laholm.

Wir wollen uns den Strand Mellbystrand und die Stadt ein wenig ansehen. Zuerst geht es ans Meer. Wir finden auf Anhieb kostenlose Parkplätze direkt am Strand, kein Mensch ist weit und breit zu sehen. Ein ordentlicher Wind weht uns um die Nase, die Wolken rasen schier über den Himmel. Noch bevor wir über die Dünen gewandert sind, hören wir schon das Wellenrauschen.

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Die Dünen sind groß und sehr naturbelassen. ein kleiner Pfad dazwischen führt uns direkt auf den großen, breiten Sandstrand, an den die Wellen wild wogend gegen schwappen während sich der Strandhafer im Wind krümmt.

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Die Wellen rauschen laut, der Wind pfeift und wir sind fast alleine am riesigen, fast endlosen Strand. Nur ein paar Kitesurfer stürzen sich, mehrere hundert Meter entfernt, in die Fluten und kosten Wind und Wetter richtig aus. Links sehen wir schon die Erhebungen des Hallandsåsen die von hier wie ein richtiges Gebirge wirken.

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Wir genießen eine ganze Zeit das Meer und den Wind um die Ohren, bis wir uns wieder auf den Weg zurück machen. Im Sommer, wenn es hier richtig warm ist, wäre hier sicherlich ein wunderbarer Badestrand, mit Volleyballfeldern, Fußballtoren und hinter den Dünen sind sogar Umkleiden und Toiletten für die Besucher, gratis.

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Anschließend fahren wir noch direkt in die Innenstadt von Laholm. Laholm ist ein kleines, verschlafenes Örtchen, dem man die dänische Vergangenheit gut ansehen kann, durch die kleinen, niedlichen Häuser aus Stein, engen Straßen und dänischen Kirchen. Holzhäuser, wie sie überall in Småland und weiter im Norden stehen, findet man hier eigentlich gar nicht mehr.

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Es erinnert uns ein wenig an Ystad, bloß deutlich kleiner. Der Parkplatz direkt in der Innenstadt ist kostenlos für 2 Stunden, also bummeln wir in Ruhe durch die Stadt und genießen das Wetter.

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Später am Tag soll im Rahmen der zur Zeit stattfindenden Modetage noch eine Modeshow auf dem Marktplatz stattfinden, doch so lange können wir leider nicht mehr bleiben.

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Denn wir wollen weiter nach Klippan, dort gibt es Klippans Yllefabrik mit Fabrikverkauf. Der kleine Shop ist gut und schnell zu finden und wunderschön schwedisch eingerichtet. Hier kann man Wollprodukte wie Decken, Börsen, Taschen, sowie Schürzen, Topfhandschuhe und vieles anderes von schwedischen Designern kaufen.

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Auch Bengt&Lotta Design ist hier zu kaufen. Hier ist einfach wirklich alles schön, so schön. Nur das mit den Fabriksverkaufspreisen, das ist so ein Ding. Denn so richtig günstig ist es eigentlich nicht, auch wenn es schon günstiger ist, als der Normalpreis. Für einen studentischen Geldbeutel ist da nicht unbedingt viel dabei, was einfach wahnsinnig schade ist, bei solchen tollen Sachen!

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Wenn man aber dann auf den Etiketten „Made in Nepal“ geschrieben sieht, ist auch klar, warum der Fabrikverkauf zwar schön, aber weniger lohnenswert ist, es sei denn, man möchte sich einfach mal eine Zeit lang mit tollem schwedischen Design in Hülle und Fülle umgeben.

Wir fahren weiter nach Mölle, genauer gesagt zum Naturreservat Kullaberg. Gerade als wir ankommen, kommt ein kurzer Schauer, doch das stört uns nicht. Wir sehen uns, so wie viele andere Besucher auch, erstmal das Naturum dort an, das wirklich wunderschön gestaltet ist. Aquarien, in denen Fische, Seesterne und Krabben zu sehen und auch anzufassen sind, auch hier regionales schwedisches Design, einen Apfel und ein Glas Apfelsaft für jeden und – natürlich – interessante Infos über die Natur ringsum.

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Dann geht es raus auf den Felsen. Das Meer peitscht unterhalb des Kullaberg an die Felsküste, der Wind braust um den Berg mit dem Leuchtturm. Es ist so wild und schön hier, wo Schweden wieder ein ganz neues, aber nicht weniger schönes Gesicht zeigt.

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Die Felsen sehen irgendwie ganz anders aus, als vorher in Marstrand oder irgendwo anders. Ein bisschen grüner, aber auch ein bisschen kühler, irgendwie. Die Aussicht genießen wir noch eine ganze Zeit und machen uns danach auf nach Höganäs.

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Höganäs, das Keramikzentrum, hat ein Outletcenter und viele Manufakturen für Keramikwaren. Besonders in der Saluhall, in der man super im gemütlichen Ambiente essen gehen kann, ist sehr sehenswert. Leider machen die Restaurants am Samstag schon sehr früh zu, weshalb wir zu spät sind, um noch einen Happen zu essen.

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Am frühen Abend fahren wir dann schließlich weiter nach Süden, an Helsingbirg vorbei zu einem kleinen, versteckten Campingplatz bei Glumslöv. Ein unglaublich netter Schwede zeigt uns, wo wir unser Zelt aufbauen können und unterhält sich auch noch eine Weile mit uns. Für die Nacht zahlen wir nur 100 Kronen, inklusive Duschen und kleiner Kochstube. Zerzaust vom Seewind des Tages gehen wir früh ins Bett. Bald ist unsere Reise schon vorbei. Morgen Mittag fährt schon die Fähre. Und wir haben so viel erlebt, dass es uns nun schon fast sprachlos macht.

Tag 17: 1000 Möglichkeiten in Småland

In der Umgebung unseres Ferienhauses gibt es längst nicht nur die Möglichkeiten, die wir bisher genutzt haben, sondern natürlich eine Vielzahl an interessanten Ausflugsmöglichkeiten, die wir innerhalb von einer Woche gar nicht alle nutzen können. In kurzer Entfernung, bei Hestra, gibt es das riesengroße Freizeitzentrum Isaberg, wo man einfach alles machen kann. Es gibt einen Elchpark, im Winter Skipisten, ansonsten Mountainbike-Strecken, Kanufahrten, Hochseilgarten und vieles mehr.
Das Naturreservat Fegen ist nur wenige Kilometer entfernt, Jönköping und Huskvarna mit dem Husqvarna-Museum sind gut zu erreichen, in Taberg gibt es eine Grube mit Fledermausführungen, das neue IKEA-Museum in Älmhult ist ebenfalls einen Besuch wert und noch vieles mehr. Auch in der direkten Umgebung gibt es ein Industriemuseum, Märchenmuseum, eine Elchledermanufaktur und und und…

Kurz: Es wird wohl nicht langweilig, wenn man seinen Urlaub hier verbringt, und es ist sowieso für jeden etwas dabei. Und wer einfach nur ausspannen will, der kann sich das Ruderboot schnappen, das bei den meisten Häusern in der Miete inklusive ist, und eine Runde auf den See oder zum Angeln fahren.

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Un das wollen wir heute ein wenig machen, zumindest in der Zeit, die wir nicht zum Packen brauchen. Das Wasser ist ruhig, ein paar Wellen schaukeln langsam um das Boot herum, auch wenn es heute nicht so sonnig ist. Aber das macht überhaupt nichts. Basti rudert das Boot eine große Runde über den See, von einer Bucht zur nächsten und um eine kleine Insel herum.

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Am Ufer stehen Kühe, hier und da ist ein kleines Häuschen, ansonsten nur viel Wald, Felsen und Natur. Hier auf dem See kann man mal so richtig abschalten. Es ist ruhig, man ist einfach ganz schnell weit weg von allem und vom Stress und vom Alltag. So eine Bootstour hat wirklich etwas Beruhigendes.

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Den Rest des Tages verbringen wir noch zum Großteil damit, unsere Sachen für die letzte Nacht im Zelt morgen vorzubereiten und alles ins Auto zu packen. Morgen früh wollen wir schon um 8 Uhr abfahren, denn wir haben viel vor!

Den Abend genießen wir trotzdem noch einmal auf der Terrasse, bei Moosbeersaft aus der Mosterei in Kivik, in der wir nun schon vor so langer Zeit gewesen sind.

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Schon jetzt reflektieren wir die Reise ein wenig, wir haben schließlich schon soo viel erlebt…
Und morgen soll es über Laholm nach Klippan zur Filzfabrik und dann weiter zum Naturreservat Kullaberg und nach Höganäs gehen. Meer, Strand, Felsen und viel schwedisches Design warten dann auf uns!

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Tag 16: Leben wie bei Pettersson und Findus

Ein sonniger und schöner Tag steht vor der Tür. Wir wollen etwas die Umgebung erkunden, mal sehen, wie weit uns die Füße und die Wanderwege in der Nähe tragen. Es soll oben im Wald noch viele Stellen geben, wo Pfifferlinge wachsen, vielleicht wird unser Omelett heute Abend ja noch größer.
Wir machen uns auf den Weg, an den Scheunen und kleinen Holzhäusern vorbei, die in Sichtweite unserer Stuga stehen, einen Waldweg hinauf. Vorbei an dem einen oder anderen Apfelbaum, der über und über voll hängt, immer den Berg hinauf und in den Wald hinein.

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In der warmen Mittagssonne sehen wir plötzlich ein langes schwarzes Etwas auf dem Schotter vor uns liegen. Eine stattlich große Ringelnatter hat sich quer über dem Weg ausgebreitet und wärmt sich in der Sonne, die gelben Punkte am Kopf leuchten, die Schuppen glänzen in der Sonne. Ich will schnell die Kamera aus dem Rucksack holen, doch da huscht die Schlange schon lautlos und flink zwischen den hoch gewachsenen Farnen am Wegesrand hindurch ins Grün und ist verschwunden.

Um uns herum ist bald nur noch Wald. Es leuchtet grell grün, Mooshügel bedecken den Waldboden unter riesigen Fichten, hin und wieder behaupten sich ein paar schon fast kahle Blaubeersträucher zwischen den Baumriesen.

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Wir sind auf der Suche nach der Stelle im Wald, an der die meisten Pfifferlinge wachsen – doch leider scheitern wir. Massenweise Pilze stehen überall – aber kein kleiner gelber Pfifferling. Wir gehen lange durch den Wald, mal auf dem Weg, mal quer durchs Gehölz, bis uns sumpfige Stellen immer wieder zurück zum Weg schicken. Sicherlich hat ein gefräßiger Elch alle Pfifferlinge gefressen.

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Tief im Wald haben Wildschweine den Boden zerpflügt, der Weg endet. Zwischen den Bäumen ist ein blau leuchtender See zu erahnen, doch das Dickicht ist für uns kaum zu durchdringen, sodass wir uns auf den Rückweg machen.
Unterwegs sammeln wir aber noch an ein paar Stellen Blaubeeren ein. Natürlich.

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Zuhause bereiten wir unser Omelett zu. Wir essen beide zum ersten Mal Pfifferlinge, daher sind wir ziemlich gespannt. Und es wird wohl wirklich das beste Omelett, das wir je gehabt haben.
Dazu noch Blaubeerpfannkuchen und ein Eis. Ja, so lässt es sich doch gut aushalten, vor allem wenn so schön die Sonne scheint. Wir kommen uns wirklich ein wenig vor, wie bei Pettersson und Findus. Bloß, dass keine freche Katze hier unterwegs ist.

Tag 15: Nordische Steppe – mitten in Småland

Morgens scheint die Sonne in die kleine Hütte. Wir packen die Rucksäcke, ziehen Wanderschuhe an und machen uns auf den Weg zum Store Mosse – dem größten Hochmoor südlich von Norrland. Wir sind schon drei mal den großen Rundweg Kävsjön Runt gegangen, aber kommen immer wieder gerne her. Zu jeder Jahreszeit sieht es hier wieder ganz anders aus, die Landschaft wandelt sich so schnell, dass man einfach immer wieder was anderes entdeckt. Im Moor wachsen Moosbeeren, Moltebeeren, Sonnentau, Wollgras und viele andere seltene Pflanzen.

Der Rundweg beginnt am Naturum. Das Naturum des Store Mosse Nationalpark ist das schönste von denen, die ich bisher gesehen habe. Aus Holz gebaut, gemütlich, mit gratis Kaffee oder Sirup, Ferngläsern, mit denen man ebenfalls kostenlos auf die offene Moorfläche hinausschauen kann und wie üblich immer vielem, was man über die Natur des Moores lernen kann.

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Dann geht es los: 15 km durch Moor auf Holzplanken, durch Waldstückchen und über Weide.

Die ersten Meter geht es noch durch einen lichtdurchfluteten Wald. Blaubeeren und riesengroße Preiselbeeren säumen den Weg, der Bewuchs wird jedoch immer spärlicher, bis plötzlich die offene Moorfläche vor uns liegt und wie eine Steppenlandschaft still und heiß leuchtet.

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Ab jetzt geht es für einige Zeit nur noch über schmale Holzbalken voran. Das Moor reflektiert die Hitze und wir hätten doch lieber kurze Hosen an. Auf großen Mooshügeln wachsen Moosbeeren wie kleine rote Punkte auf einem Pilz.

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Hier und da leuchten sie knallig rot, in den Gräsern ringsum knistert und knackt es, der Wind streift zwischen den krüppeligen Birken hindurch. Weiße Blüten, die ich noch nie zuvor gesehen habe, mischen sich nach einiger Zeit in das wild wuchernde Gelbgrün, das sonst nur von tief schwarzen Sumpflöchern oder den rot leuchtenden Beeren oder farbigen Moosen unterbrochen wird.

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Einige winzig kleine Birken säumen den Holzpfad. Mehr nicht. Man kommt sich teilweise vor wie im Niemandsland, bis man nach einigen Kilometern auf die erste Moorinsel kommt. Von jetzt auf gleich ändert sich die Umgebung. Große Kiefern und Fichten bilden ein dichtes Dach über endlosen Massen von Blaubeersträuchern, die so übervoll von dicken, runden Beeren hängen, dass wir es kaum schaffen, daran vorbei zu gehen, ohne die ganze Zeit davon zu naschen.

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So geht es noch über Kilometer weiter. Die Landschaft wechselt immer wieder zwischen offenen Moorflächen, manchmal nur mit Gräsern, Moos und Birken, manchmal auch noch mit unfassbar kleinen Kiefern bewachsen, denen man gut ansieht, wie schwer sie in dieser unwirklichen Welt ums Überleben kämpfen. Wie alt die Bäumchen wohl sind?

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Und zwischen all den tapferen Moorkiefern wandern wir auf dem schmalen Holzbalken weiter und weiter. Eidechsen huschen überall rechts und links vom Weg, auf dem sie sich vor unseren Füßen in der Sonne gewärmt haben. Irgendwann geht es, nachdem wir über völlig unter Wasser stehende Gebiete gekommen sind, immer tiefer in eine Art Urwald hinein. Riesengroße Bäume, die im Sturm umgefallen sind, liegen quer über dem Weg oder haben ihre gigantische Wurzel offenbart. Hier im Nationalpark wird höchstens ein Durchgang frei gesägt, aber nicht weggeräumt. Die Natur kümmert sich schon um sich selbst.

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Wieder ändert sich die Landschaft. Über eine Kuhwiese auf Svanö gelangen wir zur Raststuga und zur Jugendherberge, die mitten im Moor liegt. Hier hat man kein fließendes Wasser oder Elektrizität, aber mit Sicherheit eine unvergessliche Nacht, wenn man hier bleibt.

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Die Raststuga ist immer geöffnet und kostenlos. Sitzgelegenheiten um einen Kamin herum, ein paar Kerzen auf den Tischen und ein uralter Ofen zum kochen und backen, laden zum Verweilen ein. Wir setzen uns draußen in die Sonne und genießen bei gutem Wetter unsere Lunchpakete aus Blaubeermuffins und Käsebrötchen.

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Nach der kurzen Pause geht es weiter. Wald und Moor wechseln sich wieder ab. Plötzlich, in einem lichten Waldstück, leuchtet da wieder etwas gelbes. Pfifferlinge! Im Store Mosse sind Pilze und Beeren pflücken erlaubt, solange man Rücksicht auf die Natur nimmt. Also zücken wir eine leere Dose und packen uns die Pfifferlinge ein, die uns zu einem guten Omelett noch gefehlt hatten.

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Glücklich über den Fund gehen wir die Runde zu Ende. Zum Schluss geht es aber noch auf einen der Aussichtstürme. Auch die sind, wie fast alles hier, kostenlos. Besonders empfehlenswert ist der Fågeltornet in der Nähe des Naturum. Hier kann man von einem gemütlichen Hocker ganz oben oder auch hinter Glas, wenn man nicht ganz so hoch will, über das Moor und die eben zurückgelegte Strecke schauen. Oft sieht man Singschwäne, Kraniche oder andere Vögel von hier aus.

Auf dem Heimweg halten wir noch an der alten Kirche von Kävsjö. Wir treffen zufällig einen älteren schwedischen Herren aus der Umgebung, der uns prompt eine kleine Führung durch die süße kleine Dorfkirche gibt, in der so ziemlich jede der Jahrhunderte alten Türen klemmt und knarrt. Ein uraltes Taufbecken präsentiert er uns besonders stolz.

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Mit all diesen tollen Eindrücken fahren wir die gerade mal 35 km nach Hause zu unserer Stuga. Nach einer heißen Dusche fallen wir bald zufrieden ins Bett und freuen uns auf unser Pfifferlingsomelett, das wir uns morgen kochen wollen.

Tag 14: Entspanntes Stugaleben

Nachdem wir die letzten Wochen so viel erlebt haben, wollen wir es nun etwas ruhiger angehen lassen. Basti hat in einer Zeitung über die vielen Loppis in Limmared gelesen, also fahren wir dort hin. Es sind von unserer Stuga aus nur etwa 30 km.

Es geht eine ganze Weile über kleine Landstraßen durch den dichten Wald und über Heiden und an Mooren vorbei.

In Limmared angekommen, sind wir aber zunächst gar nicht so begeistert. Es gibt zwar viele kleine Antikläden, allerdings sind diese vom Preisniveau deutlich höher angesetzt, als wir es so kennen. Und wirklich schöne Dinge gibt es auch kaum. Nur ein einziger Laden etwas außerhalb des Zentrums war ganz schön und auch preiswert. Eigentlich wollten wir hier einige Stunden bummeln, doch da das Wetter ganz gut ist und wir es einfach nicht lohnenswert finden, länger zu bleiben, beschließen wir, lieber in der Umgebung unserer Stuga etwas spazieren zu gehen und Beeren zu sammeln. Wir machen uns auf den Weg, den See entlang, bis wir ringsum umgeben von Preiselbeeren sind.

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Wir pflücken und pflücken – und plötzlich lacht mich ein kleines gelbes Etwas an. Ein Pfifferling! Ich habe tatsächlich einen gefunden. Ein bisschen eingetrocknet, aber immerhin. Ich suche die ganze Umgebung ab, aber es bleibt tatsächlich ein einziger Pfifferling. Macht nix, besser als gar keiner. Nachdem es etwas dunkler wird und die Mücken heraus kommen, machen wir uns auf den Heimweg. Unterwegs treffen wir noch einen Angler, der gerade sein Boot an Land zieht. Er kommt aus Lübeck, sagt er. Heute hat er nichts gefangen, manchmal wollen die Fische eben einfach nicht. Aber wir haben ja einen Pfifferling! In der Umgebung soll es ganz viele geben, erzählt er und verrät uns noch ein paar geheime Wanderwege, die wir mal entlang laufen sollten.

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Den Abend lassen wir wieder auf der Terrasse ausklingen. Wenn es etwas kälter wird, hilft eine Wolldecke und Tee, ansonsten ist ein Rotwein und ein paar gute Geschichten das beste, was zu so einem Abend passt. Am schönsten wäre es jetzt mit noch ein paar Freunden, aber es ist auch schön, die Ruhe zu genießen – ohne Fernseher, nur hin und wieder mit Radio über den Empfänger des Handys.

Tag 13: Schwedens Shoppingparadies: Ullared

Heute fahren wir endlich nach Ullared. Darauf hat sich Basti schon die ganze Zeit gefreut. Denn in Ullared gibt es Gekås, ein Warenhaus der ganz besonderen Art – besonders groß. Und auch besonders günstig. Auf einer gigantisch großen Ladenfläche kann man hier alles Mögliche und Unmögliche kaufen, was der gewöhnliche Schwede eben so braucht. Gekås ist in Schweden so populär, dass sogar Fernsehserien darüber gedreht werden, Mitarbeiter sind zu echten Bekanntheiten geworden.

Von unserem Ferienhäuschen aus fahren wir gerade mal 45 Minuten dort hin. Auf dem Weg kommen wir auch noch durch Skeppshult, wo es eine Fabrik für gusseiserne Haushaltswaren mit Fabriksverkauf und einen Shop für schwedische Designmarken gibt.

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Stapelweise schwerer Eisenpfannen, Bräter und Töpfe sind auf den Tischen im Laden aufgebaut, dahinter findet man Sagaform und andere bekannte Marken. Wer sich ein schwedisches Handwerksprodukt zulegen will, bekommt hier in den meisten Fällen gute Preise geboten und die Auswahl und das Flair sind sowieso außergewöhnlich.

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Wenige Kilometer weiter sind wir in Halland und dann auch bald in Ullared. Der Ort besteht fast nur aus dem riesigen Warenhaus und den dazugehörigen Parkplätzen.

Gegen Mittag kommen wir an, fertig sind wir erst am Abend. Denn Gekås ist mittlerweile mehr, als nur ein Shoppingparadies für Skandinavier. Ein Campingplatz, Hotel, Erlebniswelt und vieles mehr gibt es um den Einkaufstempel. „Sveriges Mekka“ hat es eine Schwedin, mit der wir uns unterhalten haben, mal genannt. Und das passt. Wir haben Glück, es ist Nebensaison und sehr leer.

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Nach einiger Zeit, der Klamotten- und Freizeitabteilung legen wir eine Pause im Restaurant ein. Die Preise sind durchaus erschwinglich, den Einkaufswagen lassen wir auf dem Einkaufswagenparkplatz davor stehen. Danach geht es weiter zu den Saisonwaren, wo die ersten Weihnachtsartikel gerade den Weg in die Regale finden, über die Haushaltswaren- und Dekoabteilung bis zum Lebensmittelbereich. Mit dieser Runde haben wir noch nicht mal die Hälfte des Hauses abgeklappert, aber mehr brauchen wir auch nicht.

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Nun bleibt die Frage: ist das da wirklich günstig? Lohnt sich der Quatsch überhaupt? Naja, es kommt darauf an. Für die Skandinavier, die teilweise über hunderte Kilometer hier her pilgern und den gesamten Urlaub hier verbringen, kann man uneingeschränkt mit JA antworten. Für deutsche Touristen ist nicht alles super günstig, zumindest nicht günstiger als in Deutschland. Mit dieser Erwartungshaltung sollte man lieber nicht nach Ullared fahren. Das, was für uns so interessant ist, sind die schwedischen Handarbeitsprodukte, das, was man in Deutschland eben gar nicht erst bekommt, oder nur zu teuren Importpreisen. Denn das ist hier wirklich wahnsinnig günstig und schlägt oft sogar noch den Fabriksverkauf in Skeppshult. Die Menge macht eben den Unterschied.

Letztes Jahr habe ich eine Sagaform-Schüssel für nur 49 Kronen gefunden. Das Sortiment wechselt ständig, es gibt keine Kataloge oder Werbung, nur einen Blog, auf dem die neuesten Artikel gezeigt werden, aber ohne Preisangabe. Dafür muss man schon selber her kommen.

Und auch dieses Mal werden wir durchaus fündig. Winteraccessoires aus Lammwolle von Sätila, einer schwedischen Manufaktur (40-50 Sek), eine Lederhandtasche, auch aus Schwedischer Produktion (299), Wollsocken (17), ein Kuschelpullover (189), ein Köttbullarformer von Sagaform (20! Sek)… und noch vieles mehr. Auf dem Bild seht ihr nur unsere Lieblingsschätzchen des heutigen Tages.

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Das ist so ein bisschen das Problem an Gekås… es ist so günstig, dass wir am Ende immer viel zu viel Geld ausgeben.

Nach dem Einkaufstag machen wir es uns noch mit Frühkartoffeln und Krabbensalat (natürlich bei Gekås gekauft…) in der Stuga gemütlich. Basti setzt sich wieder an sein Schnitzstück und der Abend klingt langsam aus.

Tag 12: Småland pur

Am Morgen prasselt der Regen auf das Hausdach. Frische Aufbackbrötchen, Tee und Kaffee zum Frühstück machen dennoch einen wunderbaren Start in den Tag, der sich perfekt für alle Flohmärkte in der Gegend anbietet. Die meisten Flohmärkte (Loppis) sind nämlich in alten Scheunen und gerade an Sonntagen geöffnet, egal, wie das Wetter ist. Entspannt nach der Nacht im weichen Bett brechen wir auf. Wir fahren einfach ein paar Kilometer und halten überall dort, wo es interessant aussieht.

Die Preise variieren bei unterschiedlichen Händlern teils enorm. Es lohnt sich, einfach mal zu stöbern, anzufassen, zu fragen und vielleicht auch einfach mal etwas Kleines mitzunehmen. Oft gibt es Dinge in den riesigen Scheunen, Dachböden oder Höfen, von denen kein Mensch mehr weiß, wozu sie einmal gut gewesen sein könnten. Von Nostalgie über Kunst bis Kitsch – man kann hier alles finden, man muss sich nur die Zeit nehmen und geduldig etwas stöbern.

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Der wohl größte Loppis, den wir kennen, ist bei Moheda in der Mitte Smålands, hier fahren wir auch noch hin. Jeden Sonntag um 12 öffnen sich hier die Türen für eine Masse Trödelbegeisterter. Es ist recht eng in den Gängen der großen Scheune, ein schier unendliches Angebot an Altem wie Neuem kann im ersten Moment doch überfordern.

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Loppis ist irgendwie eine schwedische, speziell småländische Tradition, ja fast ein Lebensgefühl. Es gehört einfach dazu. Früher haben die armen Bauern einfach nichts weggeschmissen, heute ist Antik und Trödel einfach Kult. Ich finde, wer nach Schweden reist, sollte sich mal einen Loppis anschauen, man muss ja nichts kaufen, wenn man nicht will. Für Basti wird es am Ende des Tages eine alte schwedische Axt und ein neuer, dazu passender Axtstiel, für mich ein großes Dalapferd, dazu passende Dalatuppar und eine große Glasvase. Wir bleiben beide deutlich unter 200 Kronen, also echte Schnäppchen.

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Auf dem Heimweg lockert das Wetter auf. Wir gehen zuhause in den Wald vor der Tür unserer Hütte und sammeln mit meinem Beerenkamm noch kiloweise Blaubeeren. Basti probiert seine neue Axt ein bisschen aus und sucht im Wald ein Stückchen Holz zum Schnitzen. Die Sonne leuchtet zwischen den Bäumen hindurch und zaubert eine warme Spätsommerstimmung auf den Waldboden, der über und über mit Blaubeeren bedeckt ist, die sich langsam bunt färben.

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Jetzt sitze ich auf der Terrasse des Ferienhauses, der leichte Wind rauscht in den Bäumen und im Radio läuft Abba. Basti schnitzt an seinem Stück Kiefer und alles riecht wunderbar nach Wald. In der Stuga wartet eine Dusche und ein warmes Bett auf mich, ein heißer Tee steht neben einem Windlicht auf dem Tisch. So ist Schweden – gemütlich, ruhig, entspannend. Da, wo der nahende Herbst nichts Schlimmes ist.

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Mittlerweile ist es draußen stockfinster. Ich habe den nächsten Tee in der Tasse und ziehe mir die Kapuze meiner Jacke über den Kopf. So könnte es ewig bleiben.